Sankt Marien (Stadtilm)

Germany / Thuringen / Stadtilm

Die Stadtkirche "Sankt Marien" Stadtilm

Nur durch eine Häuserreihe vom Marktplatz getrennt, erhebt sich die Stadtkirche "Sankt Marien" mit einer in Thüringen seltenen Westturmanlage. Die beiden Türme mit Steinpyramiden, Fialen und Kreuzblumen sowie den schön gekuppelten Fenstern und Strebepfeilern sind der untergehenden Sonne zugekehrt. In der mittelalterlichen Vorstellung galt diese Seite als das Reich der Finsternis mit lichtscheuen Wesen und war deshalb besonders schutzbedürftig.

Mit dem Bau wurde in der ersten Hälfte des 12. Jahrhundert begonnen. Das Kirchengebäude wurde werksteinsichtig aufgeführt. Der Einfluss verschiedener Epochen ist gut sichtbar. Beginnend in der Romanik geht der Bau allmählich in den gotischen Baustil über. Die drei unteren Stockwerke der Türme sind mit Rundbogenfriesen verziert. Über dem jeweils fünften Geschoss mit den sechs 4m hohen Schallfenstern beginnen die Turmhelme mit ihrer Bekrönung. Beide Türme waren in dieser Geschosshöhe durch eine Holzbrücke verbunden.

1235 fand die erste überlieferte Weihe durch Bischof Wilhelm von Havelberg statt. Aus dieser Zeit stammen die im mitteldeutschen Raum einmaligen Fresken an den Turmgewölben im Erdgeschoss.

Die Skulpturen der Eingangshallen gehören zu der Gruppe Thüringer Plastiken, die zu jener Zeit auch in Erfurt und Mühlhausen entstanden sind. Die beiden Kirchenmänner Luther und Melanchton kamen erst 1903 hinzu.

Am 1. August 1780 wurde die Kirche durch den Stadtbrand stark in Mitleidenschaft gezogen. Nur die Außenmauern und die ausgebrannten Türme blieben erhalten. In neunjähriger Bauzeit erfolgte die Instandsetzung des Innenraumes im Spätbarock. Aus jener Zeit sind der Altaraufbau mit korinthischer Säulen- und Pilasterordnung sowie der Orgelprospekt.

1899 - 1903 erfolgte eine Generalrestaurierung. Dabei erhielt der Südturm einen Treppenaufgang und die Brücke zwischen den Türmen wurde entfernt. Noch heute zieren jedoch die Doppeltürme mit der Brücke das Stadtwappen. Aber auch das äußere Erscheinungsbild des gesamten Gebäudes wurde durch neugotische Bauelemente und Anbauten ergänzt. Durch die Entfernung der 2. Empore im Innenraum und den Einzug einer Decke wurde die aus dem Jahre 1789 stammende Orgel auf die untere Empore verlegt.

Wie überall mußten in beiden Weltkriegen Glocken und Zinnorgelpfeifen Rüstungszwecken dienen. 1945 nahm das Kirchengebäude durch Bombenabwurf auf die benachbarte Methfesselschule großen Schaden. Unter erheblichem Aufwand wurden notdürftige Reparaturarbeiten ausgeführt.

1982 begannen grundlegende Sanierungsarbeiten im Innenraum der Kirche. 1984 erfolgte die Wiedereinweihung.

Im Außenbereich und an den Türmen sind infolge von Alterung sowie Witterungs- und Umwelteinflüssen ständige Reparaturarbeiten nötig. Der mürbe gewordene Sandstein, besonders an der Turmbekrönung, Dach und Außenfassade bedürfen dringend eine Erneuerung. Aus diesem Grund wurde 1999 - 2000 die ersten Sanierungsarbeiten am SW - Turmhelm durchgeführt. Im Oktober 2001 begannen unter widrigen Witterungsbedingungen die Arbeiten am NW - Turmhelm, die wahrscheinlich im August 2002 beendet sein werden. Danach sind noch weitere acht Bauabschnitte bis zu einer allumfassenden Sanierung des Gotteshauses geplant.

Zeittafel

ca. 1130 - Baubeginn (Turmuntergeschosse)
1235 - erste überlieferte Weihe
Ca- 1330 Vollendung der gotischen Kirche
1533 Einführung der Reformation in Stadtilm
1780 Kirche wird beim Stadtbrand stark beschädigt
1789 Weihe der erneuerten Kirche am Johannistag
1899- 1903 Generalrestaurierung
1945 große Schäden durch Bombenabwurf auf die benachbarte Methfesselschule
1981 Vervollständigung des Dreiergeläutes durch die große Glocke
1982-1984 Restaurierung des Innenraumes und der Decke mit anschließender Weihe
1991-1994 Gefahrenberäumung an beiden Turmhelmen und Neuanfertigung zerstörter Teile
1999-2000 Sanierungsarbeiten am Südwestturmhelm
2001-2002 Sanierungsarbeiten am Nordwestturmhelm

WISSENSWERT

Kirche: Länge: 46,80 m; Turmhöhe: 42 m; Dachfirst: 19,10 m; Rauminhalt ca. 6100 qm

Dreiegeläut im Nordturm: kleine Glocke 1924, mittlere Glocke 1952, große Glocke 1981 (27 Zentner)

Turmuhr: Baujahr 1900, Fa. Kühn - Gäfenroda Stundennachschlag, Ziffernblattdurchmesser 2 m; großer Zeiger 1,30 m 3 Große Ziffernblätter in 23 m Höhe: seit 1995 Steuerung über Funkhauptuhr

Orgeln
Orgelbau Eifert - Stadtilm Baujahr 1903, 30 Register
Orgelbau Schönefeld - Stadtilm 1988 Orgelpositiv mit angehängtem Pedal, 4 Register

Anschrift:
Ev.-Luth. Kirchgemeinde Stadtilm
J.-S.-Bach-Str. 9
99326 Stadtilm:

Tel. (0 36 29) 80 24 20

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Kto.Nr.: 1820 000 407
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Dieser Artikel wurde Vor 10 Jahren zuletzt bearbeitet